Angefahren: Nissan Juke Shiro 1.6

Auf Sizilien habe ich im September eine Menge Nissan Jukes gesehen. Ich war überrascht, wie oft das Fahrzeug als Privatzulassung (keine Mietwagen) dort zu finden war, denn auf deutschen Straßen habe ich in den letzten Monaten vielleicht 5 Stück gesichtet. Ein bisschen sieht er ja nach SUV aus, er bezeichnet sich auch als Crossover, aber ob die Sizilianer ihn tatsächlich wegen der  schlechten Straßenverhältnisse oder aus einem anderen Grund gerne fahren wollte ich herausfinden.

Der Nissan Juke wird auf der B-Plattform der „Renault-Nissan Allianz“ gebaut. Seine Verwandten sind also z.B. der Renault Modus, Renault Clio III, Renault, Nissan Micra, Nissan Note oder der Dacia Logan. Bei meinem Testwagen handelt es sich um einen Nissan Juke Shiro (Shiro Sondermodell) mit dem kleinen 1.6 Benzinmotor und manueller 5-Gang-Schaltung. Wer schon andere Tests zum Juke gelesen hat, wird merken: Nach dem „1.6“ hört bei mir die Bezeichnung auf, es ist also der Basis-Juke ohne Automatik und ohne Allradantrieb. Dafür eine günstigere und realistische Motorwahl im Alltag – soweit meine Theorie.

In Sachen Design gilt: Entweder man mag den Juke sehr oder gar nicht. Ich persönlich freue mich immer eher über gewagte Designs. Das Heck sieht noch moderat und „typisch nach Nissan“ aus, die Heckleuchten erinnern an den 370Z, die Frontpartie ist das Markenzeichen des Juke. Mancher Mitfahrer verband, genau wie ich, mit den Formen des Juke sofort einen Frosch, andere meinten, insbesondere bei eingeschalteten Scheinwerfern sehe die Frontpartie des Juke wie eine „Schweinenase“ aus. Dabei sollten die Scheinwerfer eigentlich an die bei Rallyeboliden der 60er und 70 Jahre angebrachten Zusatzscheinwerfer erinnern… Um festzustellen, welche Lackfarbe mein Tester eigentlich besitzt habe ich ein paar Tage gebraucht, je nach Wetterlage (Regen, Wolken, direkte Sonne) wirkt die Farbe nämlich anders – nicht schlecht und eben ein Teil des „Shiro“ Sondermodells. Der Juke wirkt aufgrund der wuchtigen Radkästen etwas breit, das ist er aber eigentlich gar nicht: Im Kofferraum und im Fond macht er den Eindruck, als würde das Platzangebot unter seinem besonderen Design leiden.
Insbesondere von der Seite finde ich seine Formen cool, die 17 Zoll Alufelgen stehen im super und dank  der nahezu versteckten Griffe für die Türen hinten denkt erst mal jeder, er müsste zum Einsteigen die Vordersitze umklappen. Insgesamt gibt sich der untere Teil des Juke ganz SUV-like, der obere Teil im Gegensatz dazu mit seiner zugespitzten Seitenfenster-Optik und abfallender Dachlinie als Sportwagen.

Was sagen die Anderen? Ich habe den Juke für Alltagsfahrten und zur Universität häufig in Bayreuth bewegt. Hier hat man tendenziell eher Angst vor frischem Design, schon allein aufgrund des Auto-Monopols eines einzigen großen Opel Händlers fährt hier fast jeder einen Astra. Man fängt sich also erschreckte Blicke ein, „warum ist das kein Allerweltsauto?“, trotzdem fährt in Bayreuth noch genau ein weiterer mutiger Juke herum, der mir immer noch häufig begegnet.

Engine Start: Motor, Fahrwerk, Verbrauch

Den Nissan Juke gibt es in 3 verschiedenen Motorisierungen. Einen 1.6 Benziner mit 117 PS, den 1.6 DIG-T Benziner mit 190 PS und optionalem Allradantrieb und eine 1.5 dCi Dieselversion mit 150 PS. Der erste davon findet sich in meinem Testwagen wieder, mit einer manuellen 5-Gang-Schaltung.
Der Schlüssel bleibt zum Motorstart dank des KeylessGo Systems in der Hosentasche. Die Zeiger im Instrumentenbrett drehen sportlich eine Runde auf und ab, nach ein paar Sekunden ist auch die Rückfahrkamera bereit, ein Bild zu zeigen. Meine ersten Fahreindrücke beginnen mit einem meiner Meinung schlimm klingendem Wort: Anfahrtsschwäche. Angeblich haben ja viele Autos eine Anfahrtsschwäche, meistens kann ich das nicht nachvollziehen. Beim Juke muss ich aber zugeben: Es fühlt sich danach an. Zunächst einmal war der relativ kurze Pedalweg der Kupplung für mich ungewohnt (das ist mir bisher bei keinem Fahrzeug vorher aufgefallen), dann kommt es tatsächlich darauf an genug Gas zu geben. Mein Eindruck: Die 1.200 Kilogramm scheinen etwas schwer zu sein für den „kleinen“ Motor. Danach geht es aber problemlos weiter, die Übersetzung ist an sich gut gewählt, den sechsten Gang habe ich aber, wie so oft, furchtbar vermisst. Beim Stadt-Fahren oder auch auf Landstraßen wurde ich den Eindruck nicht los: Die 117PS wirken wie 80. So richtig rund gehts mit dem 1.6er irgendwie nicht. Ständig viel Gas geben ist Pflicht, damit ich mit „zügiger Stadtgeschwindigkeit“ unterwegs sein kann. Ein bisschen tricksen kann man mit den sog. „Drive Mode“-Einstellungen: Wechselt man hier von „Normal“ auf „Sport“, kann man spürbar mehr Leistung abrufen, der Juke ist dann ein ganzes Stück spritziger und beschleunigt angenehmer.

Wie oben schon angedeutet ist der 1.6 Benziner mit 117 PS nicht nur etwas schwach im Juke, sondern schluckt auch ordentlich. So habe ich auf etwa 800 Test-Kilometern einen Verbrauch von etwa 9 Litern / 100 km ermittelt – für ein aktuelles Fahrzeug zu viel.

Richtig gut gefallen haben mir Fahrwerk und Lenkung. Meine einzigen Erfahrungen mit Nissan hatte ich bisher mit dem bekanntesten aller Urlaubsmietwagen, dem Nissan Micra. Fast jeder Fahrer hat wahrscheinlich bei flott gefahrenen Kurven den Eindruck, dass man gleich umkippen würde. Vom Motorgeräusch und der Beschleunigung hatte mich der Juke anfangs durchaus an das kleine Ferienauto erinnert, alle Kurven langsam fahren musste ich damit aber nicht. Der Juke haftet richtig gut am Boden, da gibt es kein Kippeln oder Schwanken. Dazu tragen sicherlich auch die montierten 17 Zoll Reifen der Breite 215 bei. Die Lenkung ist extrem leichtgängig, das ist im Stadtverkehr um beim Einparken natürlich komfortabel, auf kurvigen Landstraßen vermittelt sie aber nicht viel Gefühl.

Wer den Frosch übrigens mal im Gelände sehen will, sollte sich auf jeden Fall dieses Video ansehen!

Übersicht

Der Juke ist eines der wenigen Fahrzeuge, bei denen man immer die „Schnauze“ sieht, vor allem nachts. Aufgrund seiner Bauform hat man immer die Motorhaube und die lang nach oben gezogenen Scheinwerfer, bzw. einen Teil davon, im Blick. Das ist gewöhnungsbedürftig, störend ist es aber auf keinen Fall.

Sonst ist die Übersicht trotz der kleinen Fenster gut. Die Seitenspiegel sind ausreichend dimensioniert, nur nach hinten unten sieht man relativ wenig, das übernimmt aber optimaler Weise die Rückfahrkamera, die auch den Fahrweg und die Abstände in verschiedenen Farben digital einblendet. Im Alltag ist die leicht erhöhte Sitzposition sehr praktisch und angenehm.

Platzangebot & Interieur

Wer einen kleinen SUV oder eben Crossover kauft, will in der Regel ein gewisses Platzangebot vorfinden. Das gelingt dem Juke relativ gut, allerdings erst mit umgeklappter Rücksitzbank. Wie im Foto zu sehen ist, lässt sich dann ein Fahrrad (mit abgestecktem Vorderrad) relativ einfach ein- und ausladen. Für Kleinteile wie die Enteiserspray-Flasche und Co bietet die Frontantriebs-Version des Juke außerdem einen doppelten Boden im Kofferraum.
Zum bequemen Sitzen ist im Fond ist ausreichend Platz, es kommt aber schon darauf an, wie weit die Frontsitze nach hinten gefahren werden oder nicht. Bis 1,80 Meter Körpergröße lässt es sich schon ein paar Stunden fahren, mit der ganzen Familie in den Urlaub kann es aber etwas eng werden.

In Sachen Interieur haben mich am meisten das griffige, praktisch gestaltete Multifunktionslenkrad und die vielen Ablagemöglichkeiten überzeugt. Einzelne Knöpfe sitzen aber teilweise „nicht so fest“ und sind manchmal einfach nicht wirklich hochwertig verarbeitet. Die manuelle Gangschaltung fühlt sich relativ unpräzise an, insbesondere der Rückwärtsgang benötigte Gefühl, am Alter des Fahrzeugs kann es kaum liegen, denn mein Testwagen hatte gerade einmal 8000 Kilometer auf der Uhr.
Einen kurzen Überblick übers Interieur vom Fahrersitz aus gibts hier im Video:

Infotainment / Navigation

Das Onboard-Navigationssystem „Nissan Connect“ funktioniert erstaunlich gut. Es stellt meiner Meinung nach Onboardsysteme anderer Hersteller in einigen Punkten in den Schatten. Zwar ist das hochauflösende Touchscreen-Display relativ klein gehalten, es kommt aber mit einer sehr guten Reaktionsgeschwindigkeit und einer sehr einfachen Menüführung daher. Steuerbar ist alles wahlweise eben per Touch oder den simpel und symmetrisch angeordneten physikalischen Tasten links und rechts neben dem Screen. Alle Menüs sind in ordentliches Deutsch übersetzt, die Schriften sind groß gehalten und die Kartendarstellung erinnert stark an Navigon-Geräte. Es werden stets nur die wichtigsten Werte angezeigt – erweiterte Funktionen wie ausführliche Routen-Demo gibt es nicht, benötigt man aber meiner Meinung auch nicht unbedingt. Ein Manko, das mich beim Honda Insight und auch beim Mitsubishi ASX sehr gestört hat war, dass ich für die Navigation in eine Stadt immer eine Straße eingeben musste. Sprich eine Routenplanung einfach ins Stadtzentrum war nicht möglich. Beim Nissan Juke geht das ohne Probleme: Lässt man das Feld „Straße“ frei, geht es in Richtung Stadtzentrum. Im Interieur-Video (oben) habe ich auch eine Testeingabe getätigt. Das System ist den Aufpreis von 750 EUR auf jeden Fall Wert – im Nissan Connect System ist auch die Rückfahrkamera inklusive.

Die anderen Funktionen des Infotainmentsystems funktionieren in etwa genauso gut. Das Radio hat eine automatische Scan-Funktion, super in der Preisklasse, d.h. während der Fahrt aktualisiert das System ständig die FM-Senderliste und man kann durchschalten, bis die gewünschte Musik läuft – man muss also bei langen Fahrten nicht permanent selbst den Suchlauf erneut starten und hört nicht minutenlang nur Rauschen. Die Kopplung meines iPhones hat keine 30 Sekunden gedauert – genauso schnell habe ich die Bluetooth-Audio Funktion gefunden. Sein Smartphone kann man dann auch noch per USB Laden und darüber per Kabel Musik übertragen, ein AUX-Klinke Anschluss ist auch noch vorhanden. Der Klang des Systems ist nicht gerade der Hammer, geht aber in Ordnung.

Die Drive-Mode Einstellungen sind ein nettes Gadget. Die kleine Steuerungseinheit mit Farbdisplay unterhalb des Navigationssystems nennt sich „Nissan Dynamic Control System“ und dient „eigentlich“ zur Anzeige der Set-Temperatur der Klimaautomatik. Mittels der „D-Mode“ Taste werden aber Display und Tasten umfunktioniert. Auf der linken Seite kann dann mittels der Tasten „Sport“, „Normal“ und „Eco“ ein Fahrmodus ausgewählt werden. Je nachdem, welcher Modus aktiv ist, verändert sich die Gasannahme – man kann eben sportlicher oder effizienter unterwegs sein.

Fazit

Der Nissan Juke hat mir in erster Linie wegen seines frischen, coolen Designs gefallen. Eine ganz eigene Kreation von Nissan, die durch ihre geschickte Kombination von SUV und Sportwagen in der Stadt eine Menge Blicke auf sich zieht. Das Infotainment-System Nissan Connect ist in Sachen Navigation für seinen relativ geringen Aufpreis spitze. Komfortausstattung wie Start-/ Stopp Automatik, Tempomat, Limiter, Keyless-Go sowie Licht-und Scheibenwischerautomatik sind bereits serienmäßig an Bord. Leider fällt der Verbrauch beim 1.6 Benziner (86 KW / 117 PS) etwas zu hoch aus. Wer sparsamer unterwegs sein möchte, sollte sich auf jeden Fall den 1.5 Liter Diesel oder den kräftigeren, Turbo-aufgeladenen 1.6 Benziner mit 190 PS ansehen – dann kommt auch die sportliche Aura richtig zur Geltung!

 

 Andere Auto-Blogger über den Nissan Juke

Technische Daten Nissan Juke Shiro 1.6

  • Testwagenpreis: 22.220 EUR
  • Gefahrene km: ca. 800
  • Motorbauart: 4-Takt-Ottomotor (HR16DE)
  • Hubraum: 1.598 cm³
  • Leistung kW (PS): 86 (117)  bei 6.000/min
  • Max. Drehmoment: 158 Nm bei 4.000/min
  • Abgas-Einstufung: Euro 5
  • Getriebe: 5-Gang, manuell
  • Beschleunigung (0-100 km/h): 11,1 Sek.
  • Höchstgeschwindigkeit: 178 km/h
  • Leergewicht: 1237 kg
  • Kraftstoffverbrauch angegeben, komb.: 5,9 Liter / 100 km

 

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Bericht! Ich muss sagen, ich finde beim Sondermodell den weißen „Motorradtank-Mitteltunnel“ ziemlich cool. Und natürlich die Aussenspiegel-Gehäuse. Aber der Motor, den du fahren durftest, ist eindeutig zu klein für den Juke.

  2. Pingback: » Test & Fahrbericht: Nissan Juke Tekna 1.6 DIG-T 4×4 – Einführung, Daten & Fakten - autoaid.de blog

  3. Pingback: Polarisierende Erscheinung – Nissan Juke “Ministry of Sound” › Trendlupe - Ein trendiger Blick auf Produktneuheiten und Lifestyle

  4. Pingback: Bye bye Nissan Juke 1.0 – herzlich willkommen Juke 2.0 › Der Auto Blogger

  5. Pingback: Nissan Juke Nismo Fahrbericht – ein Juke für noch mehr Fun | Autogefühl

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.